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Neue Erkenntnisse und Entscheidungen für die Zukunft (?)

Reisebericht vom 28.10. bis 21.11.2017

Diese Reise war in den ersten Tagen sehr stark geprägt durch ein Novum, denn zum ersten Mal seit Bestehen des FREUNDESKREISES VISION KAMBODSCHA e. V. haben Mitglieder und deren jüngere Familienangehörige, sowie Freunde, Helmuth eine Woche auf der Reise begleitet. Für sie war es die Gelegenheit, sich über unsere Arbeit vor Ort sowie die dortigen Helfer zu informieren, aber auch selbst mitzuarbeiten, d.h. die Technik des Brunnenbaus unter den gegebenen Landschafts- und Lebensbedingungen erläutert zu bekommen und selbst Kontrollen der vorhandenen Brunnen durchzuführen.

12 2017 1 All das auch unter ungewohnten Orts- und Witterungsverhältnissen. Ganz sicher auch eine eindrucksvolle Erkenntnis, was es bedeutet, all das, was inzwischen in diesem Land durch unsere Hilfe entstanden ist, aus Deutschland zu organisieren, zu koordinieren und zu kontrollieren, sicher eine Mammutaufgabe.

In den ersten Tagen wurden etwa 36 Brunnen kontrolliert, Das Fazit war weniger erfreulich. Durch Witterungseinflüsse, bedingt durch sehr starken und langen Monsunregen, haben viele Brunnen gelitten, in der Folge, dass durch massive Überschwemmungen das Grundwasser sehr verschmutzt wurde und die Brunnen kein sauberes Wasser lieferten, Dichtungen nicht mehr funktionierten und Brunnen versandeten. Hier besteht immenser Nacharbeitungsbedarf, der mit einem Aktionsplan eingeleitet wurde. Dieser besteht darin, dass alle Brunnen in einem kürzeren Rhythmus besucht und kontrolliert werden und ein Telefonnetzwerk aufgebaut wird. Die Kosten hierfür sind durch Rückstellungen gesichert. Versandete Brunnen werden von Chhay und seinem Team ohne zusätzliche Kosten neu erstellt, da dieses Thema in die vereinbarte Gewährleistung fällt.

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Inzwischen sind alle Brunnen kontrolliert( Helmuth hat alleine in 3 Tagen ca.80 Brunnen abgearbeitet) die Anweisungen zur Reparatur erteilt und verlassene Brunnen abbauen und neue Standorte dafür festgelegt und bohren lassen. Chhay unser Brunnenchef hatte in Eigenregie bereits die Pumpen entfernt und zur weiteren Verwendung sichergestellt. Die Erkenntnis, dass Brunnen nicht von den Nutzern gepflegt werden, worauf wir sehr großen Wert legen und das auch verdeutlichen, ist schmerzlich aber nicht zu verhindern. Wir scheuen uns auch nicht, hier ganz konsequent neue Standorte zu finden, wo unsere Spende dankbar angenommen wird. Es ist erfreulich festzustellen, wie viele Familien, rund um die Brunnen, Gemüse, Gewürze und Obst für den Eigenbedarf anbauen. Das ist u. a. unser erklärtes Ziel neben der Sauberkeit, den Menschen zu helfen, andere Wege als bisher erleben zu lernen.

Während dieses Besuches fanden auch 2 Treffen mit dem Gouverneur Mr. Pov Piseth und seiner Frau statt, die Gouverneurin eines Distrikts der Provinz Siem Reap ist. Die Unterstützung der Beiden ist für uns äußerst wertvoll. Ganz besonders im Hinblick auf das Musterdorf TRAICH, Distrikt Reul, wo ein Treffen mit dem Gouverneur, 3 Bürgermeistern und 5 Verwaltungsangestellten stattfand. Dort haben wir unseren Verein und unsere Vorstellung des Musterdorfes präsentiert und Flyer verteilt haben.

Im Norden der Provinz SR, in der Nähe von SRI NOY, ein sehr armes Gebiet, stehen inzwischen 22 Brunnen und 6 zusätzliche werden noch entstehen, damit ist dieses weitläufig angelegte Dorf ausreichend abgedeckt.

12 2017 3Weitere Themen für diese Reise, waren der Bau von Toiletten und Solar. Von beiden haben wir entschieden, vorläufig Abstand zu nehmen. Das Thema Sauberkeit ist schon bei den Brunnen sehr komplex und nur sehr mühsam umzusetzen, da in den meisten Fällen keinerlei Umweltbewusstsein besteht, da eine zentrale Müllabfuhr nur in den großen Städten existiert. Der Bau von Toiletten und die dazu gehörige Pflege und Verantwortlichkeit ist kaum zu vermitteln, das hat uns auf unserer ersten Reise das Beispiel an der Krankenstation in SRI NOY gezeigt. Dafür wollen wir im Moment keine Spendengelder ausgeben, es wäre auch durch die familiär eingeschränkte Nutzung ein Fass ohne Boden.

 

Beim Thema Solar hatten wir angedacht, kleine Leuchten bzw. Module für die Hütten auf dem Land zu entwickeln und zu verbreiten, denn die Sonne erschien uns als gute Nutzungs-möglichkeit, um den Menschen das nötige Licht in der Dunkelheit zu bieten, dass sie sich über ständig aufzuladende Autobatterien versorgen. Auf diesem Markt ist aber durch die Nähe zu China eine sehr starke Produktpräsenz entstanden, so dass wir im Hinblick auf Betreuung aus der Ferne und der Kostenintensität keine Aktivitäten entwickeln werden; also ein solches Projekt als nicht kontrollierbar einstufen.

Als neuesten Informationsstandort wurde zwischenzeitlich Facebook eingerichtet, wobei noch einige Feinjustierungen notwendig sind und das Team für die Betreuung der Seite noch endgültig bestimmt werden muss. Aufgebaut wurde diese Seite vertraglich in Eigenverant-wortung (Impressum und Datenschutz liegen bei uns). Die existierende Facebook Seite von Chantha (VCO) wird nach Übernahme von interessanten Blogs usw. geschlossen werden. Er wird nun nur noch über unsere Facebook – Seite – „vision cambodia organization“ - gepostet.

Die mitgereiste Freundin von Fam. Spielmann, Elle Langer, war fasziniert von Kambodscha und unserer Arbeit, ist Fan geworden und hat sich als neues Mitglied angemeldet. Sie hat einige Kurzfilme gedreht und will uns diese als Video zur Verfügung zwecks Veröffentlichung auf unserer Internet Seite, vielen herzlichen Dank.

Helmuth ist nach Hause gefahren mit insgesamt 187 gebohrten Brunnen, davon sind in dieser Zeit 32 Brunnen neu gebohrt worden. Ein weiteres Highlight bestand in der Tatsache, dass wir der Familie, die zum Brunnen 101 gehört, sehr helfen konnten. Deren Haus war Ende Oktober völlig ausgebrannt. Mit einer intern sehr schnellen Verabredung konnten wir 700 US $ zur Verfügung stellen. Damit wird die Hütte einschl. stabilem Dach neu gebaut werden, die Tränen der Freude werden immer in Erinnerung bleiben.

Karin Wittmann und Helmuth Kircher