Wasser, aber anders...

Reise vom 28. Oktober bis 22. November 2016

Der Monsunregen setzte in diesem Jahr viel später ein, als gewöhnlich und ließ diese Reise zu einem unerwarteten Abenteuer werden. Das Land, das um diese Jahreszeit staubtrockene Wege ausweist, die zu unseren Brunnenstandorten führen, hatte sich zu tiefsten Schlammbahnen mit Schlaglöchern voller Wasser entwickelt und waren größten Teils nur mit aller Mühe bis gar nicht passierbar.

reisebericht 2016 01 Rutschpartien ins Reisfeld bis stundenlanges, aufwändiges Bemühen, die Karre im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Dreck zu ziehen. Ganz zu schweigen von nächtlichen Kraneinsätzen zur Autobefreiung und anschließenden kilometerlangen Nachtwanderungen mit Mückenüberfällen.

Die Wege nur mit Gummistiefeln oder barfuß zu meistern, regelrechte Schlammschlachten und äußerst mühsam. Die hohe Luftfeuchtigkeit bis zu 95 % und 34 – 38 Grad C. kam erschwerend hinzu. Traktoren und Ochsenkarren waren da willkommene Vehikel, um an die Orte zu gelangen, wo neue Brunnen gebohrt wurden. Wir haben an neuen Standorten gebündelt mehrere Brunnen erstellt, geschuldet der Notwendigkeit, eine bessere Kontrolle durchführen zu können, um bei der steigenden Anzahl von Brunnen die Fahrten effizient zu gestalten. Beispiel einer solchen Bündelung: 160 Familien mit 1.300 Einwohnern einschl. Kinder.

reisebericht 2016 03Diese Reise hat gezeigt, wie wichtig die Kontrolle auf die Funktionstüchtigkeit ist, denn die Einflüsse, denen die Brunnen ausgesetzt sind, sind von uns auch nicht vorhersehbar (Sand - Einspülungen, poröse Dichtungen, gelockerte Pumpensockel, gelöste Schrauben). Bei einigen dieser Touren hat uns Chhay der Handwerker begleitet und bei Kleinigkeiten sofort nachgebessert (Dichtungen erneuert, Schrauben nachgezogen, kleine Mängel an Beton - Wannen ausgebessert). Aber auch Rückschläge wie dreimaliges Bohren an verschiedenen Stellen, bis endlich Wasser erreicht wird, müssen verkraftet werden. Bis auf 7 Brunnen, die auf Grund der Witterungsverhältnisse nicht erreichbar waren, sind alle kontrolliert, per Checklisten dokumentiert und werden unter der Überwachung von Chantha sofern notwendig nachgebessert.

Im Verhältnis zur Anzahl der inzwischen gebauten Brunnen, sind die Mängel geringfügig, worüber wir sehr froh sind und was uns beweist, dass wir in Chhay einen versierten Handwerker gefunden haben. Er wird auch in Zukunft bei seinen Fahrten zu neu zu errichtenden Brunnen, die existierenden in der Nähe überprüfen und gegebenenfalls sofort ausbessern.

Auch auf dieser Reise ist wieder aufgefallen, dass es einige Organisationen gibt, die keinerlei Nachsorge über ihren Spendenverbleib tätigen und dann über kurz oder lang, die Brunnen  nicht mehr gebrauchsfähig sind, womit nicht nur Spendengelder vertan sind, sondern den Menschen das wieder genommen wird, was ihnen helfen sollte.

Besonders erfreulich zu sehen, wie viel Menschen selbst bereit sind, etwas von sich aus zu tun, wenn man ihnen einen kleinen Grundstein legt. In der Gegend von Ou Orm Bell, eine der ärmsten Landstriche in der Provinz Oddar Meanchey haben die Familien rund um die Brunnen, Gemüsegärten, Obstbäume und Kräuter angepflanzt, um sich selbst zu versorgen.

 Ein Glücksfall war der Besuch von Elmar Veltrup, Dipl. Ingenieur, ein Freund von Helmuth (mit seinem Sohn Marc) der uns auf einigen dieser Fahrten begleitet hat und uns wertvolle, technische Informationen beim Brunnenbau gegeben hat. Er war von der Arbeit und unserem Einsatz in diesem Land so beeindruckt, dass er 25 Brunnen für unser Projekt gespendet hat und uns bei der Suche nach einer geeigneten, maschinellen Bohrhilfe beraten will.

Als Helmuth seine Reise antrat, hatten wir Spenden für 93 Brunnen in unserem Spendentopf. Unser Ziel waren 100 bis zum Jahresende. Im Laufe dieser 3 ½ Wochen hatsich die Anzahl auf 134 erhöht, (25 Brunnen von Veltrup Prozesstechnik GmbH, 10 Brunnen der Firma COPRO aus Berlin, je 2 Brunnen von MIC und confidential AG, je 1 Brunnen von Andreas Bleyl, Ellen Krause, Helmuth, Karin,……)

Wie auf der letzten Reise hatten wir wieder ca. 140 Brillen im Gepäck, die dankbare Abnehmer gefunden haben. Auch dieses Jahr gab er mit den „Anproben“ viele Kuriositäten. Die Spende der Optikerin Hermintje Lühr, Aumühle war erneut ein voller Erfolg.

reisebericht 2016 02Auch das Schulprojekt nimmt langsam Formen an. Wir haben den Ort Trach gefunden, in dem schon 12 Brunnen von uns gebohrt wurden und wo eine ausreichende Anzahl von Familien mit Kindern ein solches Projekt sinnvoll erscheinen lässt. Die Dorfbewohner haben in Selbsthilfe schon eine Menge Vorarbeit geleistet in Form von Bau des Schulgebäudes und Schreinerarbeiten für die Schulbänke. Die Lehrer sollen aus der Region rekrutiert werden, da sie deutlich kostengünstiger sind als aus der Stadt. Unterstützung seitens des Staates können wir leider nicht erwarten, da das bei privaten Einrichtungen nicht vorgesehen ist, sondern nur bei staatlichen Schulen.

Am 17. 11. 2016 hatten Helmuth und Chantha ein Gespräch in der Deutschen Botschaft in Phnom Penh bei Frau Dr. Ludgera Klemp, Counsellor and Head of Cooperation, die sich zu unserem Termin mit Herrn Adelbert Eberhardt, Country Director, der giz, Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, verstärkt hatte. Ziel des Gespräches war die Vorstellung unseres Freundeskreises mit all seinen Aktivitäten und das Abklopfen möglicher Unterstützungen. Dass dabei nicht viel für uns heraus kommen konnte, war uns klar, gleichwohl hat man uns wahrgenommen und die Zeit wird zeigen, wie wertvoll ein solcher Kontakt sein kann oder auch nicht.

Anlässlich dieser Fahrt nach Phnom Penh habe ich die Killing Fields und das Foltermuseum S21 besucht. Wer sich mit Kambodscha auseinander setzt, muss diese geschichtsträchtigen Orte gesehen haben. Es hat sehr viel zu tun mit unserer eigenen Deutschen Vergangenheit. Beschreibungen möchte ich mir aus Gründen der Grausamkeiten, die unter den Roten Khmer vollzogen wurden, gerne ersparen.

Ein Abendessen mit dem Vize Gouverneur von Siem Reap, Herrn Pov Piseth, war für uns vonhoher Bedeutung. Er kennt unsere Arbeit sehr genau und wird weiter über die Bürgermeister seiner Provinz Druck ausüben, dass dort, wo wir aktiv sind, die Familien angehalten werden, mehr für die Sauberkeit und Hygiene zu tun; sein Versprechen war: „They must do it“.

Ein letztes Resümee zur Reise, wir haben insgesamt 102 Brunnen kontrolliert und auf Nachhaltigkeit überprüft, davon waren 20 Brunnen neu gebohrt, also 82 bestehende Projekte gesehen. Die Funktions – Überprüfung wird uns in Zukunft noch stärker beschäftigen bei der rasant zunehmenden Anzahl von Brunnen. Auch dieses Problem  werden wir lösen.

Helmuth Kircher