Wasser ist Leben

Reise vom 1. bis 18. November 2015

"Wasser ist Leben!" - Wie bedeutungsvoll dieser Satz ist, ist uns bei der Reise vom 2.- 18. November 2015 nach Siem Reap wieder sehr bewusst geworden.
Das beste Beispiel erfuhren wir bei einer der ersten Besichtigungstouren unserer bisher gebauten Brunnen. Dort empfing uns ein älteres Ehepaar vor seinem neu errichteten Haus und berichtete voller Dankbarkeit, dass das nur gelungen sei, weil seit dem Tag mit frischer Trinkwasserversorgung die ganze Familie gesund sei und keine Arztkosten mehr angefallen seien.

reise 2015 01Es war Helmuth´s dritte und meine zweite Reise dorthin. Unsere Ziele vor Ort und eine Reihe notwendige, organisatorische Erledigungen waren unserem vor Ort tätigen guten Geist Chantha vorab zur Vorplanung bekannt gegeben worden, so dass wir von Anbeginn mit der Abarbeitung unserer Programmpunkte beginnen konnten, um unsere Zeit optimal zu nutzen. Am 4.November fuhren wir mit vollgepacktem Auto ( Säcke mit Zement, Pumpen, Fußbälle und einem großen Sack Baguette für die vielen Kinder ) ca. 140 km nach Norden in Richtung thailändische Grenze.

Erste Station war in Sre Noy an einer Krankenstation, die zusätzlichen Bedarf eines Brunnens angemeldet hatte, da der vorhandene ( nicht von uns gebaute) nicht tief genug war, um an sauberes Grundwasser zu gelangen und man sich bisher mit aufgefangenem Regenwasser und sehr unsauberem Wasser aus einem angrenzenden Tümpel versorgte. Für eine Krankenstation eigentlich undenkbar. Was wir jedoch dort vorfanden, war ein völlig verdreckter, relativ großer Brunnen an dem sich gerade eine junge Frau wusch, die offensichtlich in der Nacht ein Baby zur Welt gebracht hatte. Das gesamte Umfeld dieses Brunnens glich eher einer Müllhalde, als den hygienischen Anforderungen einer Krankenstation und unsere Reaktion blieb auch dem verantwortlichen Arzt sicher nicht verborgen, obwohl er kein Englisch sprach. Die Entscheidung, hier dem Wunsch nach einem zusätzlichen Brunnen nicht nachzukommen, ist uns schwer gefallen, aber war insofern richtig, als das wir eine Woche später die Nachricht von einem Ärzteteam von „Ärzte ohne Grenzen“, erhielten, die wir unterwegs trafen und informiert hatten, dass nun alles in Ordnung sei.

reise 2015 02Sauberkeit ist ein sehr konkretes Thema, auf das wir uns von Anbeginn an ausgeprägt fokussiert haben.
Danach ging unsere Fahrt weiter nach Ou orm Bel einer der ärmsten Flecken Erde, die man je erlebt hat, wo sich seit Jahren eine Ansammlung verfallener Hütten befindet, die eine Dorfgemeinschaft bilden und wo im vergangenen Jahr einige Brunnen realisiert wurden und gerade ein neuer fertig gestellt wurde und noch weitere entstehen werden.

An diesem Ort haben wir in Anwesenheit des Gouverneurs der Provinz Oddar Meanchey, eine Woche später die erste Schule eröffnet. Dem war ein Besuch in Samrong im Büro des Stellvertreters voraus gegangen, bei dem wir die Gelegenheit hatten, unsere Organisation vorzustellen.

Dasselbe war uns schon mit Hilfe von Chantha und einem seiner Freunde, der Parlamentsabgeordneter ist, in der Provinz Siem Reap ermöglicht worden nur dieses Mal mit Begleitung eines Fernsehredakteurs.
Das Meeting mit dem Gouverneur war für uns eine sehr positive Begegnung, der weitere folgten, u.a. führte er uns in eine bis dato unbekannte Gegend, die wirklich Hilfe bitter benötigt und wo wir in Begleitung unserer Handwerker den Spatenstich ( für Kambodschaner gänzlich unbekannt) für den ersten Brunnenbau demonstrieren konnten. All das wurde vom Fernsehen aufgezeichnet und aus den einzelnen Begegnungen eine Sendung zusammen geschnitten, die einige Tage später ausgestrahlt wurde. (unter Galerie – Video ) Wir sind kurz danach nochmals in diesem Ort gewesen und haben den fertiggestellten Brunnen besichtigt und Standorte für weitere Brunnen festgelegt.

Bei unserer zweiten Tour nach Ou orm Bel haben wir ebenfalls weitere Standorte definiert und etliche „ tote Brunnen“ entdeckt, die von anderen Hilfsorganisationen vor etwa 3 Monaten gebohrt worden sind, aber leider nur bis zu einer Tiefe von ca. 4 m. Damit wird allenfalls zur Monsunzeit Oberflächen- Wasser aber kein sauberes Trinkwasser erreicht. Bei einem Brunnen fehlte die Pumpe komplett. Unschöne Begleiterscheinungen, die auch unserer Organisation die Glaubwürdigkeit schwer machen, denn hier wird nicht nur Spendengeld veruntreut, sondern auch den Menschen die Hoffnung genommen.

Wir haben auf unseren Fahrten alle von uns gebauten Trinkwasserbrunnen geprüft und volle Funktionsfähigkeit festgestellt. Das wird nach einem regelmäßigen Turnus erfolgen und entstandene Schäden, werden umgehend ausgebessert. Zu diesem Zweck haben wir ein Rücklagenkonto eingerichtet, das sich aus den Spenden für die einzelnen Brunnen rekrutiert. Sollten hier irgendwann Überschüsse entstehen, wird das Geld für weitere Brunnen - Projekte eingesetzt.

reise 2015 03Bei der Wahl der Standorte für unsere Projekte werden wir uns vorläufig auf die Provinzen Siem Reap und Oddar Meanchey konzentrieren und derzeit auch nur auf jeweils zwei Gegenden. Somit können wir im Augenblick eine gute Kontrolle garantieren und für uns prüfen, wie man einen Ausbau im erweiterten Radius gestalten kann.
Das Schulprojekt in Ou orm Bel wird vorläufig als Pilotprojekt gehandhabt, um zu sehen, wie sich das auf andere Standorte umsetzen lässt und ist auch von Spendengeldern für die Finanzierung der Lehrer abhängig. Wir hatten hier das große Glück einen Sponsor gefunden zu haben, der uns für 2 Jahre die Bezahlung der Lehrer ermöglicht. Es ist ohnehin sehr schwierig in einer der ärmsten Gegenden Lehrer zu bekommen, zumal dort nicht nur ca. 90 Kinder unterrichtet werden sollen, sondern die Lebensumstände so primitiv sind, dass es nur möglich ist, sogenannte Hilfslehrer aus der Gegend zu engagieren, weil nur diese mit den dort gegebenen Wohn- und Lebensumständen zurecht kommen können.

Direkt neben dem Schulgebäude und für die Kinder notwendig, haben wir bei der Schuleinweihung, einen Brunnen gebaut und eine Müllsammelstelle eingerichtet. Inzwischen herrscht auf dem Schulgelände mustergültige Sauberkeit und das Aufräumen ist ein Teil des Schulprogramms.

Am Tag dieser Schulübergabe wurden auch den Anwohnern, die sich bislang über Jahre illegal in dieser Gegend angesiedelt hatten, von der Provinzverwaltung die Besitzurkunde für ihr Grundstück übergeben, so dass eine dauerhafte Sesshaftigkeit der Familien gewährleistet ist und damit unser Engagement noch sinnvoller erscheint.

In Siem Reap haben wir Moritz Reiter kennen gelernt, einen 19 jährigen Abiturienten aus Hannover, der dort an einer privaten Schule, die auch durch Spendengelder entstanden ist, im Rahmen eines sozialen Auslandsengagement, Englisch unterrichtet und den Kindern versucht auch Allgemeinbildung zu vermitteln. Bei einer kurzen Führung hat er uns einen Einblick über seine dortige Tätigkeit geben können, was wiederum uns sehr beeindruckt hat, mit welcher Begeisterung die Kinder lernen. Das lässt uns hoffen, dass wir mit unserer Schule auch auf einem guten Weg sein werden.

Er hat uns einen Tag auf einer unserer Touren begleitet und beschreibt in seinem Blog www.meinjahrinkambodscha.jimdo.com sehr eindrucksvoll, wie tief ihn dieser Ausflug berührt hat.

reise 2015 04Zurück in Siem Reap hatten wir einen Termin in einem Tempel, in dem Chantha 6 Jahre bei den Bettelmönchen lebte, um dort ca. 120 Brillen, die uns die Optikerin Hermintje Lühr aus Aumühle gespendet hatte, zu verteilen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da kaum eine der Brillen mit einer Sehstärke ausgezeichnet war und eine grobe Einteilung per „Probelesung“ durch uns erfolgen musste. Die Zuordnung und die Erklärung, dass es sich ausschließlich um Lesebrillen handelte, war das nächste Problem. Irgendwann hatten wir aber 120 glückliche Menschen um uns.

Eine weitere Dorfgemeinschaft konnten wir mit ca. 80 Poloshirts beglücken. Hier haben sich 80 alte und junge Leute über ein neues, sauberes Kleidungsstück und wir uns über viele dankbare und glückliche Gesichter gefreut.

Etwa 10 km außerhalb von Siem Reap gibt es eine Mülldeponie, wo man soweit das Auge reicht, nur undefinierbares Plastikgemenge erkennen kann. Der Gestank ist unerträglich. Die Müllautos laden im 10 Minutentakt ihre übelriechenden Ladungen ab. Hier leben rund 100 Familien im und um den Müllplatz, um nach brauchbaren Essensresten und sonstigen verwertbaren Plastikteilen zu suchen. Für einen großen Sack Plastikflaschen sammelt eine Familie 2 Tage und Nächte und bekommt dafür 2$, wenn es ihnen dann einer abkauft.

Wir werden hier in der nächsten Zeit 3 bis 4 Brunnen im vertretbaren Abstand errichten, damit wenigstens sauberes Wasser zur Verfügung steht. Dieser letzte Eindruck von dem erbärmlichen Dasein dieser Menschen hinterlässt Eindrücke, die man nicht mehr so schnell los wird und die einem sehr bewusst werden lassen, in welchem Wohlstand wir leben und den wir so leichtfertig als selbstverständlich hinnehmen.

Wir gießen unsere Gärten und Golfplätze mit teurem Trinkwasser, denn wir haben genug davon, aber wir würden das Wasser aus den Löchern, die den Menschen dort als Trinkwasser dienen, nicht in unsere Gärten gießen.

Was wir dort tun, ist mit einem Tropfen auf den heißen Stein vergleichbar, aber viele Tropfen höhlen irgendwann den Stein.

Karin Wittmann